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Das 19. Jahrhundert

Nach der offiziellen Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich gehörte Mainz von 1797 bis 1814 zum französischen Staatsgebiet. Die französischen Reformen wälzten das öffentliche Leben in allen Bereichen um. Der Code Civil führte erstmals eine einheitliche Rechtsprechung ein.Département Mont-Tonnerre Mainz war als Zweitresidenz Kaiser Napoleons vorgesehen und sollte dementsprechend umgestaltet werden. Die Niederlage Napoleons bereitete allerdings allen französischen Plänen für die Stadt ein schnelles Ende. Die Reformen hatten jedoch Signale für die Zukunft gesetzt und entfalteten ihre Wirkung vor allem nach dem Ende der französischen Herrschaft.Truppenparade Große Bleiche

Das 19. Jahrhundert brachte tief greifende Veränderungen. 1816 kam Mainz zum Großherzogtum Hessen- Darmstadt. Der "Centralort des Reiches" wurde  Haupt- stadt einer neuen hessen-darmstädtischen Provinz: Rheinhessen. Zudem wurde Mainz zur Festung des Deutschen Bundes ausgebaut. Zeitweise betrug die Zahl der in Mainz stationierten preußischen und österreichischen Soldaten 20 Prozent der Gesamtbevölkerung.

"Mainz ist die revolutionärste Stadt im Reich", bemerkte der Zeitgenosse Heinrich von Treitschke. Zahlreiche Missstände führten dazu, dass die Protestbewegung des Bürgertums, die in den 1840er Jahren ganz Europa erfasst hatte, auch in Mainz hohe Wellen schlug. Der Frankfurter Hof wurde zum Treffpunkt der Demokraten,Narrhalla im Frankfurter Hof aber auch Ort der ersten Fastnachtssitzungen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fasste ausgehend von Köln Fastnacht, wie wir sie heute kennen, auch in Mainz Fuß. Die Bütt bot einflussreichen Bürgern die Möglichkeit, sich darzustellen und politische Kritik zu üben.

 

Das 20. Jahrhundert

Die Industrialisierung fasste zunächst nur schwer Fuß in Mainz. Der Festungsstatus schnürte die Stadt ein, die Bevölkerung wuchs vergleichsweise langsam. Erst nach Niederlegung der Stadtmauern im sogenannten Gartenfeld Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich die Stadt weiter ausdehnen, die Neustadt mit der repräsentativen Kaiserstraße als Zentrum enstand. Den Schlusspunkt setzte 1903 die Christuskirche, Christuskircheein Symbol des erstarkten protestantischen Selbstbewusstseins in der einst strikt katholischen Stadt.

1918 wurde die Republik ausgerufen, aus dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt wurde der Volksstaat Hessen. Mainz brennt, 27.2.19451933 begann mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten die dü- sterste Phase auch der Mainzer Geschichte. Die blühende jüdische Gemeinde wurde ausgelöscht. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten verheerende Luftangriffe mehr als 80 Prozent der Innenstadt. Vorlesungsverzeichnis 1946Das Leid der Bevölkerung, aber auch die Leistungen des Wiederaufbaus kann man sich heute nur schwer vorstellen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag Mainz in der französischen Besatzungszone. Die Bevölkerung empfand die Besatzung als drückend,Ortseingangsschild Mainz-Kastel doch wurden damals entscheidende Weichen für die Zukunft der Stadt gestellt. Die Franzosen gründeten 1946 das Retortenland Rheinland-Pfalz und bestimmten Mainz zur Hauptstadt. Auch die Neugründung der Universität 1946 geht auf französische Initiative zurück.

Der Wiederaufbau der Stadt in den 50er Jahren begann schleppend, nicht zuletzt wegen des Verlusts der rechtsrheinischen Industriegebiete. Erst in den 60er Jahren setzte eine rasante Aufwärtsentwicklung ein. Ein entscheidender Impuls war die 2000-Jahr-Feier anno 1962.