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31.01.2019 Frankfurter Allgemeine Zeitung (Anne Körbel)

Neue Führungen zum Stadtbaumeister

Tourismus-Studie: Jeder Hotelgast lässt im Schnitt am Tag 188 Euro in Mainz

Schwer zu sagen, was genau Veranstaltungen wie die Fastnacht, Konzerte der Reihe Summer in the City und Volksfeste wie die Sommerlichter der Stadt Mainz bringen. 2017 soll es insgesamt ein Bruttoumsatz in Höhe von gut 652 Millionen Euro gewesen sein, von dem laut einer Studie zu jeweils mehr als 40 Prozent das Gastgewerbe, vor allem Hotels und Restaurants, sowie der Einzelhandel profitiert haben. Nicht einmal halb so viel Geld, nämlich rund 115 Millionen Euro (das entspricht knapp 18 Prozent), geben alle Mainz-Besucher zusammen demnach für Dienstleistungen wie Taxifahren und Haareschneiden aus. Erhoben wurde außerdem, dass ein Hotelgast zirka 188 Euro am Tag in der Stadt lasse, während jenen Touristen, die über ein Reisemobil und somit einen eigenen Schlafplatz verfügen, in der Regel ein Tagessatz von 50 Euro reiche. Wer nur zum Einkaufen, zu Konzerten, Theateraufführungen und zum Feiern nach Mainz kommt, dem genügt der Erhebung zufolge offenbar sogar ein Budget von 32 Euro.

Die kürzlich in der Rheingoldhalle vorgestellte Studie des Beratungsunternehmens DWIF-Consulting GmbH ist die Fortsetzung einer 2013 begonnenen Untersuchung. Das ermöglicht den direkten Vergleich und zeigt, dass es mit aktuell fast einer Million gewerblicher Übernachtungen innerhalb von vier Jahren eine Zunahme um 6,2 Prozent gab. Bei den Tagesgästen, die mittlerweile auf 15 Millionen geschätzt werden, lag die Steigerung gegenüber 2013 demnach bei 5,6 Prozent. Das ist nach Ansicht derjenigen, die für die Wirtschaftsförderung und das Stadtmarketing verantwortlich sind und die Wertschöpfungsstudie in Auftrag gegeben haben, ein deutlicher Beleg dafür, "dass Mainz sowohl für Privat- als auch für Geschäftsreisende sehr attraktiv ist" und der Tourismus weiter wachse.

Tatsächlich sind mehrere neue Hotels gebaut und eröffnet worden: etwa das me and all-Hotel an der Binger Straße und das B&B-Budgethotel an der Mombacher Straße; zwei weitere Projekte sind am Zollhafen geplant. Nach Ansicht der Wirtschaftsdezernentin, Manuela Matz (CDU), bringt der Tourismus Arbeitsplätze und nicht zuletzt auch Steuereinnahmen. So spricht die Studie von jährlich mehr als 60 Millionen Euro allein aus der Mehrwert- und Einkommensteuer.

"Tourismus ist kein Selbstzweck", sagte August Moderer, Geschäftsführer der Mainzer Citymarketing GmbH, bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen: "Vielmehr ist es unser tägliches Bestreben, Wertschöpfung innerhalb der Stadt zu generieren und Angebote für Touristen und Bürger zu schaffen." Dabei brauche sich Mainz im bundesweiten Vergleich auch als Kongress- und Tagungsstandort nicht zu verstecken. Obwohl die Rheingoldhalle in diesem Jahr wegen der Sanierung nur eingeschränkt zur Verfügung stehen wird.

Wachstum vermelden nicht nur die Fest- und Konzertveranstalter, sondern auch der Gästeführerverband, der fast 5800 Rundgänge im Jahr organisiert und sich in den nächsten Monaten einigen neuen Themen zuwenden will. So soll es künftig Führungen geben, die sich mit dem Wirken des einstigen Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig beschäftigen. Bei anderen sollen die Teilnehmer unter dem Motto "Vom Rhein kommen die Besten der Welt" auf bekannte Persönlichkeiten wie Anna Seghers, Johannes Gutenberg und Peter Cornelius treffen.

Wirtschaftsfaktor Tourismus