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09.02.1018 Allgemeine Zeitung (Nicole Weisheit-Zenz)

"ER WAR GEWÖHNUNGSBEDÜRFTIG": GUTENBERG
Kulturspaziergang streift Orte, an denen der berühmte Sohn der Stadt wirkte

Johannes Gutenberg Risikofreudig war er. Dass aber seine Erfindung eine Medienrevolution auslösen würde, das hatte Johannes Gutenberg wohl seinerzeit nicht ge- ahnt. Mehr über diesen erstaunlichen Mann erfahren Interessierte bei einem neuen Kulturspaziergang der Gästeführer, der nun Premiere feierte. Elmar Rettinger schlüpft in die Rolle des großen Sohnes der Stadt und in ein Kostüm, das einem Patrizier- gewand nachempfunden ist. Wissenswertes berichtet er, lebendig vorgetragen und ohne Manuskript. Vom Standort des Kaufhaus am Brand, in dem es Farben und andere wichtige Waren für die Werkstatt gab, geht es zwei Stunden durch die Innenstadt, zu Lebensstationen und Gebäuden, die man sonst achtlos passiert.

Ans Höfchen und den Algesheimer Hof

Etwa an die Tafel am Domus Universitatis am Höfchen, die darauf hinweist, dass er ganz in der Nähe, in der früheren Franziskanerkirche, seine letzte Ruhe fand. Oder den Algesheimer Hof, in dem Gutenberg "das Zeitliche gesegnet" hatte, vermutlich am 3. Februar 1468. Ein Denkmal dort zeigt ihn mit Kraft beim Drucken – dabei hatte er sich eher als Geschäftsmann gesehen. "Ich war ein gewöhnungsbedürftiger Zeitgenosse", lässt Elmar Rettinger Gutenberg augenzwinkernd berichten. Vieles von dem, was man näher erforschen konnte, stammt aus Gerichtsprotokollen. Einiges bleibt im Dunkeln, wie das Geburtsdatum, wohl um 1400. Vom Haus, in dem er einst zur Welt kam, bis zu seiner Taufkirche St. Christoph sind es nur wenige Schritte.

Einige Jahre seines Lebens verbrachte Gutenberg in Straßburg, wo Ideen zum Drucken reiften. Auch Mönchen schaute er über die Schulter beim Abschreiben per Hand. Mit dem Druck von Ablassbriefen oder Grammatiken für Schulen kam auch Geld in seine Kasse, zudem suchte Gutenberg nach einer Marktlücke. Am großen Denkmal vor dem Theater kann man emporschauen zu ihm, doch auch von Misserfolgen wird beim Rundgang gesprochen: Den "großen Reibach" konnte er nie machen, musste das geliehene Geld zurückgeben und seine Werkstatt schließen. Der Mehrfarbdruck war technisch noch zu kompliziert.

Faszinierend wirken sie dennoch, die Original-Bibeln, die im Gutenbergmuseum zu bewundern sind und einst individuell ausgestaltet wurden. Auch Eindrücke vom mittelalterlichen Mainz im Modell, vom Gießen und Drucken mit beweglichen Lettern erwarten die Besucher, vorgeführt von einem Gehilfen. Neben den geplanten Terminen sind auf Wunsch gern auch weitere vereinbar.