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10.05.2017 Allgemeine Zeitung (Nicole Weisheit-Zenz)

SÜSSE LECKEREIEN EINST IN ALLER MUNDE Neue Stadtführung zeigt Handwerk vom Mittelalter bis in die Neuzeit

Angenehmes und Nützliches "von Kopf bis Fuß" für einfache Leute und Wohlhabende, wurde schon zu früheren Zeiten in Mainz hergestellt und gehandelt. Der Rundgang Es riecht nach Arbeit… mit Beate Heusel widmete sich dem Handwerk vom Mittelalter bis in die Neuzeit, von Gaumenfreuden wie Wein und Süßem bis hin zu Möbeln.

An einigen Originalschauplätzen ließ die Gästeführerin die Vergangenheit lebendig werden. So gab es auf den Märkten in der Stadt und im Kaufhaus am Brand neben Produkten aus den unterschiedlichsten Rohstoffen auch damals schon manche Raritäten. Vor allem die jüdischen Händler hatten Netzwerke, die bis in ferne Länder reichten. Rhein und Main wurden als Transportwege geschätzt, zudem nutzten Schiffsmühlen die Wasserkraft.

Während Müller oder Bader nicht sehr angesehen waren, hielten Angehörige ehrbarer Berufe viel auf sich. Das Zunftwesen regelte einen Großteil des Lebens, mit eigenen Wappen oder Schutzpatronen; Gesellen lebten oft unter einem Dach mit dem Meister und seiner Familie. Aus alter Zeit stammen auch Redewendungen wie "nicht deine Kragenweite" oder "Schlitzohr". Bei den vielen Weinhandlungen und Brauereien durften Hopfen und Malz nicht verloren gehen. Und bei der Enge in den Stadtmauern und Wohnungen war es in den Lokalen oft gemütlicher. Wohlstand der Stadt noch heute weithin sichtbar

Auch "im Dunstkreis der Macht", wie Beate Heusel beschrieb, hatten sich zahlreiche Berufe angesiedelt. Neben dem Glauben spielte Prestigedenken eine Rolle beim Dombau, bei dem viele Gewerke auch damit beauftragt waren, den Wohlstand der Stadt deutlich zu machen. Noch heute weithin sichtbar ist das Willigisportal als über 1,5 Tonnen schwerer Guss. Genauer hinschauen ist hingegen gefragt, um die vielen Hüttenzeichen zu erkennen, die Steinmetze im Laufe der Jahrhunderte langen Baugeschichte hinterlassen haben. Mit viel Mühe fertigten sie auch Kapitelle, mal detailreich mit Löwen oder Adlern verziert, mal schmucklos und schlicht.

Weiter ging es durch die Fischer- und Scharngasse bis zum Weihergarten mit klassizistischem Straßenzug, zum Sitz des Schott-Verlags, wo schon früher Noten gestochen wurden, auch für international angesehene Musiker. "In aller Munde" müssen einst die Leckereien vom Zucker-Göbel gewesen sein, mit originellen Schaufensterauslagen als Augenweide. Im Landesmuseum gab es Mainzer Barockmöbel der Spitzenklasse zu bestaunen, aufwendig gefertigte Schreibschränke und Tische aus edlen Hölzern, Elfenbein und mit feinsten Details.