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13.05.2017 Allgemeine Zeitung (Carina Schmidt)

DER DOM STEHT IM MITTELPUNKT: Der frühere Lehrer Ekkehart Friedrich zeigt seit 50 Jahren Touristen die schönsten Ecken von Mainz

Ekki FriedrichDie Frage "Wo kann man den hier gut essen?" hört Ekkehart Friedrich am Häufigsten von seinen Gästen. Dann muss er schmunzeln und hat natürlich reichlich Tipps parat. Ekkehart Friedrichs Tätigkeit hat mit Essen aber eigentlich weniger zu tun. Er weiß in seiner Stadt auch weitaus mehr zu empfehlen, als gute Restaurants. Als Fremdenführer kennt er Mainz nämlich in- und auswendig. Immerhin macht der der 77-Jährige das schon seit fünf Jahrzehnten.

Dabei ist Friedrich gar kein gebürtiger Mainzer, er stammt aus dem Schwabenland. "Das Studium hat mich 1962 hierher verschlagen", erzählt er. Die Fächerkombination Geschichte und Französisch war es wiederum, die ihm damals den Job in der Tourismusbranche ermöglicht hat. In einem Aushang an der Uni wurde gezielt nach französischsprechenden Studenten gesucht. "Ein halbes Jahr lang habe ich Kollegen begleitet, um ihnen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und zu lernen", blickt der Senior zurück. Dann gab er eine Probeführung und schon war er eingestellt.

Was zunächst als eine zeitlich befristete Nebentätigkeit angedacht war, entwickelte sich zu einem Hobby auf Lebenszeit. Denn selbst als Lehrer – Friedrich unterrichtete zuletzt von 1973 bis 2004 am Frauenlobgymnasium – zeigte er Fremden in den Ferien und an Wochenenden die Besonderheiten von Mainz. Sogar beim Schüleraustausch mit der Schweiz, den er über 20 Jahre betreute, übernahm er den Stadtrundgang durch Genf.

"Der Mainzer Dom steht immer im Mittelpunkt", sagt er. Ansonsten gehören das Gutenberg-Museum, die Altstadt und Sankt Stephan mit den Chagall-Fenstern zum Kernprogramm. Anfangs frage er immer, ob eine bestimmte Berufs- oder Interessensparte vertreten sei. So könne er den Erzählinhalt für Architekten entsprechend anders gestalten, als für einen Kirchenchor oder einen Sportverein. Und dann gebe es da natürlich noch die Schülergruppen. "Für junge Leute muss man den Inhalt so konkret wie möglich gestalten, um die Spannung aufrecht zu erhalten", weiß der 77-Jährige. Hilfreich seien dabei haptische Elemente, beispielsweise gegossene Buchstaben in der Druckwerkstatt, die man in die Hand nehmen könne.

Während Ekkehart Friedrich in den ersten Jahrzehnten nur auf Deutsch und Französisch referierte, beschloss er drei Jahre vor seiner Pensionierung, sein Sprachrepertoire noch zu erweitern. Also lernte er Italienisch. "Damit ich im Redefluss bleibe, besuche ich regelmäßig Konversationskurse in der VHS", erzählt er und macht deutlich, wie wichtig es sei, im Alter Geist und Körper zu beschäftigen. "Außerdem muss man zusehen, dass man eine Aufgabe hat." Ans Aufhören denke er jedenfalls noch lange nicht.

Friedrich schätzt: Bei rund 100 Führungen im Jahr habe er inzwischen wohl rund 100 000 Menschen durch Mainz geführt. Langweilig sei ihm die Tätigkeit nie geworden. "Durch die Fragen aus dem Publikum gibt es immer wieder andere Aspekte, die ich hervorheben kann", sagt er. Außerdem bilde er sich regelmäßig weiter. Ob durch Bücher, Zeitschriften und natürlich die Zeitung, aus der er aktuelle Informationen entnehmen könne.