Login

11.04.2017 Allgemeine Zeitung (Murielle Winckler)

Vom Leichhof ins "Kalte Loch": Zweistündige Tour führt in die eher unbekannten Mainzer Straßen

Hollagäßchen, Leichhof, Rentengasse oder das sogenannte "Kalte Loch". So mancher Tourist und auch so mancher Mainzer wird sich bestimmt schon das ein oder andere Mal über diese und andere Straßennamen in der Altstadt gewundert haben. Ein neuer Kulturspaziergang des Gästeführerverbandes Mainz namens "Vom Sautanz zum Kalten Loch" verschafft nun Abhilfe – die zweistündige Tour führt durch versteckte Ecken und Gassen und berichtet über die spannenden Ursprünge, die hinter den Namen der Straßen stecken.

Römischer Kaiser"Die Straßennamen spiegeln die Geschichte der Stadt bis in die heutigen Tage wider. Durch sie wird Geschichte lebendig", erklärt der Gästeführer Dr. Elmar Rettinger. Nach dem Start vor dem Tourist Service Center am Brückenturm führt er die 25-köpfige Gruppe zum Platz Am Alten Kaufhaus unterhalb des Rathauses, weiter geht es in die Rentengasse. "Die Gasse heißt tatsächlich so, weil hier früher die städtische Rentenkasse ansässig war", so Rettinger. Danach geht es vorbei an der Mailandsgasse, dem Salmengäßchen und der Fischergasse – hier fanden sich in der Vergangenheit, direkt neben der alten Stadtmauer, mehrere Fischhandlungen. Auch der Name des Heumarktes spricht für sich: Er leitet sich vom Verkauf von Futtermitteln für Vieh ab, welcher einst dort stattfand.

Der nächste Halt verrät endlich, was es mit dem "Kalten Loch" auf sich hat. Die Domstraße trägt diesen Namen deshalb, weil hier oftmals ein frischer Wind durchweht. Das Nasengässchen in unmittelbarer Nähe heißt so, weil es als eine Art Vorsprung in gekrümmter Linie gesehen werden kann. "Böse Zungen behaupten aber auch, dass es mit dem strengen Geruch zusammenhängt, den man hier manchmal wahrnehmen kann", scherzt Rettinger, der aus Aschaffenburg stammt, sich aber als „Ur-Meenzer“ bezeichnet.

Im Anschluss erfährt die Gruppe noch allerhand Wissenswertes über die Augustinerstraße und ihre Nebengassen – wie auch den Kathinka-Zitz-Weg, eine noch relativ junge Straße, die nach der Frau von Franz Zitz, einem Mainzer Politiker und Präsidenten des MCV, benannt ist. Insgesamt 613 Straßen in Mainz sollen laut Rettinger mit Personennamen versehen sein. Weiter geht es schließlich vom Höfchen und Gutenbergplatz über den Bischofsplatz zum Ballplatz und zu guter Letzt zum Schillerplatz. Die Teilnehmer, wie auch Wolfgang Schaper, sind begeistert: "Ich habe schon an vielen Kulturspaziergängen teilgenommen. Als ich diesen hier neu in der Liste entdeckt habe, musste ich mich dafür anmelden."