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11.04.2017 Allgemeine Zeitung (Marina Held)

Mundart-Führung „S’ Goldisch Meenz“ bringt Interessierten Sprache und Geschichte von Mainz näher

Mit einer Stadtführung "uff Meenzer Platt" haben der Mainzer Gästeführerverband und das Tourist Service Center Mainz nun einen Kulturspaziergang der etwas anderen Art in ihrem Programm. "S’ goldische Meenz" heißt der Rundgang, der nun alle zwei Monate Interessierten den Mainzer Dialekt näherbringen soll.

FischtorplatzFriedhelm Moers lebt mit seiner Frau seit vier Jahren in Mainz. "Wir machen heute unseren Einbür- gerungskurs", erklärt der gebürtige Münsteraner mit einem Augen- zwinkern. Für den Ernstfall hat das Ehepaar ihre einheimischen Freunde Werner und Marianne Hartmann zum Übersetzen mitgebracht.

"Bevor es losgeht aber ääns: Heißt die Stadt nun Mainz, Meenz oder Määnz?", trägt Lothar Schilling zu Beginn die wohl wichtigste Frage aus einem eigens verfassten Gedicht vor. Die Antwort liefert der Gästeführer zugleich selbst. "Da es bis heute keinen Mainzer Duden gibt, sind beide Schreibweisen in Mainz anerkannt."

Vorbei am ehemaligen Standort der Wäschbriggelscher am Rhein, schnell auf dem Marktplatz gelernt, was die Meenzer seit Jahrhunderten in ihre "Meggeldasch" packen (Persching, Kersche, Malede, Sparschel unn Woi), dann noch in der Altstadt der "Augustinerreul" einen Besuch abgestattet. Wer sich für den Mainzer Dialekt interessiert, kommt bei der Führung auf seine Kosten.

Immer wieder werden in die "normale Stadtführung" Erklärungen zu Begriffen aus dem Meenzer Dialekt eingespeist. "Tautologien sind bei den Meenzern sehr beliebt", erklärt Lothar Schilling. "Schiffchebootche, Fläschje Flaschebier, Heiliger Sankt Nikolaus sind da nur einige Beispiele."

Wie steht es bei so viel Mundart um die "Zugezochene" aus Münster? Sie haben den größten Teil der Führung verstanden – und auch die Mainzer "Übersetzer" konnten ihr Wissen um ihre Heimatstadt auffrischen. Zum Abschluss gibt es vier essentielle Meenzer Begriffe: Monder (Schaufenster), Newweling (Kerze an Allerheiligen), Andau (Gully) und Butzebewel (Popel).