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27.03.2017 Allgemeine Zeitung (Nicole Weisheit-Zenz)

Tatort Altstadt – Neuer Rundgang stößt auf große Resonanz

Über den Marktplatz scheint malerisch die tief stehende Sonne, Vögel zwitschern vergnügt, und Einkaufstaschen werden emsig nach Hause getragen: Ein Abend, der viel zu schade ist, um dem Leben Adieu zu sagen. Doch unfreiwillig passierte genau dies in einigen historischen und literarischen Kriminalfällen, die bei Tatort Altstadt vorgestellt werden, dem neuen Feierabend-Kulturspaziergang der Mainzer Gästeführer.

Großer Resonanz erfreute sich die Premiere am Freitag. Denn Christiane Deris ist bei diesem Rundgang nicht nur gedanklich unterwegs mit Kommissar Schack Bekker – der Mainzer Autor Peter Jackob, aus dessen Feder die Geschichten stammen, ist selbst mit dabei. Zusammen haben sie die Idee zu dieser außergewöhnlichen Führung mit Lesung entwickelt.

Tatort AltstadtVom Treffpunkt Liebfrauenplatz aus ist es nur ein Katzensprung bis zu seiner "Schreibstubb", vor der er treue und neue Fans der Reihe begrüßt. Einst war die Fischergasse Bestandteil der Stadtmauer, erfahren die Teil- nehmer, bevor sie sich auf Spu rensuche begeben am Antiqua- riat, Schauplatz eines grausigen Fundes: Im Krimi wird ein Toter mit einem Buch in der Hand entdeckt und es stellen sich Fragen über Fragen: Was hat der Buchhändler damit zu tun? Gibt es einen intellektuellen Hintergrund? Im Fastnachtskrimi "Narren-Mord" gibt eine Hand in der Mülltonne Rätsel auf. Auch Passagen aus dem Band "Schotten dicht" trägt Peter Jackob vor, der nach Studium und Zeit im Ausland wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist.

Über einen Apotheker, der im Kreuzgang beigesetzt ist

Was viele Mainzer wohl nicht wissen, wird an diesem Abend erklärt, beim Blick in die Historie: So berichtet Christiane Deris davon, was es mit der kleinen Stadthalle auf sich hat und wer im Ostchor der Liebfrauenkirche die letzte Ruhestätte gefunden hat. Neu ist für viele auch die Geschichte vom Bischofsmord, in einer Nacht- und Nebelaktion zum Johannisfest, der schlimme Folgen nach sich zog – einstmals wurde über Mainz die Reichsacht verhängt.

Zudem erfährt man, warum ein Apotheker als "Normal-Sterblicher" im Kreuzgang beigesetzt wurde, welches Ende es für jemanden im Bockshöfchen nahm, wo das Nasengässchen liegt und wo das "kalte Loch" ist. Als warmherzig, wenn auch mit derbem Humor gesegnet, wird der Menschenschlag jener beschrieben, die mit "Rheinwasser oder -wein" getauft sind. Auch in der Literatur findet sich einiges an Lokalkolorit der Stadt, die durchaus selbstverliebt sein kann. Beim Kulturspaziergang ist daher nicht nur Gänsehaut angesagt, sondern auch Genuss, beim Schlendern durch die Altstadt, zu Badergasse und Holzturm als weitere Stationen, bevor man bei einem Piffchen Wein zum Ausklang gern mit dem Autor ins Gespräch kommen kann.