Login

30.11.2016 Allgemeine Zeitung (Marianne Hoffmann)

"DRUCKERKUSS" für ruandische Internatsschüler im GUTENBERG-MUSEUM

Schüler aus RuandaSie heißen Josué, Amos, Jean-Luc, Justin, Merveille und Gift, sind zwischen 13 und 17 Jahre alt und zum ersten Mal in ihrem Leben in Deutschland und zum ersten Mal im Gutenberg-Museum, durch das sie heute geführt werden, natürlich mit anschließendem Besuch der Druckwerkstatt. Zu Gast sind sie bei deutschen Familien und deren Kindern, die Schüler des Frauenlob-Gymnasiums sind. Ihre Schule ist das Lycée de Rusatira, ein Internat, das im Süden von Ruanda liegt, und Ruanda ist das Partnerland von Rheinland-Pfalz.

Seit August 2013 besteht die Partnerschaft zwischen dem Frauenlob-Gymnasium und dem Internat, gegründet durch eine Privatinitiative des Lehrers Carsten Frigga. Zusammen mit seiner Kollegin Katharina Huff betreut er den Austausch. Im vergangenen Jahr haben Schüler des Frauenlob-Gymnasiums das Lycée de Rusatira in Ruanda besucht und in diesem Jahr – endlich – folgte der Gegenbesuch. Schon im Sommer sollten die Schüler kommen, doch immer wieder gab es Probleme mit der Genehmigung, obwohl es eine offizielle Einladung gab und das Land die Reisekosten gesponsert hat. Mitfahren durfte, wer am Ende des Schuljahres Bestnoten vorzuweisen hatte.

Dr. Judith König empfing die Gruppe im Gutenberg-Museum und begann ihre Führung rund um Gutenberg auf Englisch, denn vor sechs Jahren wechselte Ruanda die Landessprache von Französisch auf Englisch. Der Direktor des Internats, Jean Damascène, hat es sich nicht nehmen lassen, die Gruppe zu begleiten. Er staunte nicht schlecht, als er erfuhr, dass ein handgeschriebenes Buch damals so viel gekostet hat wie ein deutsches Einfamilienhaus. Dafür könnte man in Ruanda beinahe ein Dorf bauen.

Euphrasie Mukakimenyi ist die begleitende Lehrerin. Auch sie war von dem Museum und der Erfindung Gutenbergs beeindruckt, und der printer’s kiss, der Druckerkuss, ließ Schüler und Lehrer gleichermaßen schmunzeln. Das Kussgeräusch entsteht, wenn, wie vorgeführt und unterstützt durch Justin und Jean-Luc, eine Seite auf der alten Druckerpresse im Museum von der Druckerplatte abgenommen wird. Ist das Geräusch als Kuss identifiziert, ist es ein guter Druck. Die frisch gedruckte Bibelseite wurde dem Direktor als Geschenk überreicht. "Sie wird einen Ehrenplatz in unserer Schule bekommen", freute er sich.