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18.11.2016 Allgemeine Zeitung (Michael Bermeitinger)

IMMER MEHR MENSCHEN WOLLEN ZITADELLE KENNENLERNEN

ZitadelleDie Zeit des Dornröschenschlafs scheint für die Zitadelle endgültig vorbei. Die 2004 gegründete Initiative Zitadelle Mainz (IZM) hat es geschafft, das Kulturdenkmal ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, und mehr und mehr nehmen die Mainzer das mächtige Bauwerk oberhalb der südlichen Altstadt auch als "ihre" Zitadelle wahr. Tausende strömen alljährlich zum Fest im Spätsommer, aber auch der bald wieder anstehende Adventsmarkt ist immer gut besucht – und es sind mittlerweile Tausende, die die Festung bei Führungen kennenlernen wollen. Tendenz steigend.

"Der Untergrund ist immer besser erschlossen"

Gerade in diesem Jahr haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt. "Wir hatten 2016 über 3000 Teilnehmer bei Führungen", sagt Kay-Uwe Schreiber, Erster Vorsitzender der IZM. Grund dafür sei die Mund-zu-Mund-Propaganda, die für immer mehr Bekanntheit sorge, vor allem aber die in diesem Jahr gestartete Zusammenarbeit mit Mainzplus Citymarketing. So würden nun Gästeführer der IZM und des Gästeführerverbands Mainz den Besuchern die Zitadelle näherbringen.

"Die Kooperation klappt hervorragend", weiß Karina Krauß, Bereichsleiterin Tourismus bei Mainzplus Citymarketing, die das Plus bei den Teilnehmerzahlen auch auf das immer attraktivere Angebot zurückführt: "Der Untergrund ist viel besser erschlossen, gerade durch die Führungen durch die Bastion Albini." Diese Tour beginnt am Römischen Theater, führt unterirdisch bis in den Zitadellengraben und ist in den sogenannten Langführungen enthalten.

Diese zwei Stunden dauernden Veranstaltungen sind sozusagen das Flaggschiff im breiten Angebot der Führungen. Es gibt noch Kompakt- oder Kurzführungen, dann sogenannte Kostümführungen und solche mit Weinbegleitung. Insgesamt 129 Mal wurde in der Saison, die von April bis Mitte Oktober andauerte, Gästen das Bauwerk gezeigt. "Teilweise mussten die Führungen in bis zu drei Gruppen parallel gehalten werden", sagt Kay-Uwe Schreiber.

Welche Beachtung die Zitadelle mittlerweile genießt, zeigt allein die Tatsache, dass 99 Führungen nicht zum allgemeinen Programm gehörten, sondern speziell von Gruppen gebucht wurden. Insgesamt kamen durch die Führungen rund 4500 Euro für die Zitadelleninitiative zusammen.

"Tennisschläger und Kanonen"

Die Saison wird im Oktober beendet, weil nun die Fledermäuse in den unterirdischen Gängen ihr Winterquartier beziehen und nicht gestört werden dürfen. Bei Interesse können aber noch oberirdische Führungen angeboten werden, und Nachfragen gibt es immer wieder. So am Mittwochabend, als beim Tourist Servicecenter am Abend eine Nachfrage einging, ob man noch auf die Schnelle für den Donnerstag eine Zitadellenführung auf Japanisch arrangieren könnte – "und es hat geklappt", sagt Karina Krauß nicht ohne Stolz.

Ab Ostern geht es dann wieder mit dem normalen Programm los, auch mit neuen Führungen. Eine wird Zitadellenbauwerk und -geschichte mit dem einzigartigen Garnisonsmuseum verbinden, die andere ist eine Kostümführung, über die Tourismus-Chefin Karina Krauß aber noch nichts verraten will. Nur so viel: Die neue Attraktion trägt den durchaus verheißungsvollen Titel "Tennisschläger und Kanonen".